Freitag, 30. Oktober 2026

Geschichte entdecken, Zukunft gestalten

Interview mit Pfarrer David Aboagye-Danquah, Synodensekretär der Presbyterianische Kirche von Ghana

Auf dem Weg zu ihrem 200-jährigen Jubiläum im Jahr 2028 unternahm eine Delegation von nahezu 40 Kirchenleitenden, Pfarrpersonen, Gemeindemitgliedern und Mitarbeitenden der Presbyterianischen Kirche von Ghana (PCG) im September 2026 eine ökumenische Pilgerreise in die Schweiz und nach Deutschland.  

Die Reise führte zu wichtigen Stationen der PCG-Kirchengeschichte und vertiefte die Verbindungen zu den europäischen Kirchen und Missionswerken, die das Evangelium nach Ghana brachten. Gleichzeitig stärkte sie die Grundlagen der zwischenkirchlichen Beziehungen für die Zukunft.  

Während eines Besuchs in der EMS-Geschäftsstelle in Stuttgart sprachen wir mit Pfarrer David Aboagye-Danquah, Sekretär der Synode der PCG, über die Bedeutung dieser Pilgerreise, den Wandel in der kirchlichen Zusammenarbeit und die Rolle der Kirchen in einer zunehmend vernetzten Welt.  

Warum ist der Presbyterianischen Kirche von Ghana wichtig, die Schweiz und Deutschland zu besuchen? 

Im Rahmen unserer Vorbereitungen auf das 200-jährige Jubiläum der PCG im Jahr 2028 hat der Rat der Synode beschlossen, die historischen Wurzeln unserer Kirche stärker in den Blick zu nehmen. Wir möchten die Kirchen, Missionsgesellschaften und Institutionen besuchen, die das Evangelium erstmals nach Ghana gebracht haben, von ihren Erfahrungen lernen und zugleich unsere eigenen teilen. 

Unsere Delegation mit fast 40 Personen besucht Orte, die für unsere Geschichte von großer Bedeutung sind, darunter Basel und Einrichtungen in Deutschland sowie Mission 21 und die EMS. Gleichzeitig laden wir unsere Partner ein, gemeinsam mit uns im Oktober 2028 unser Jubiläum zu feiern.  

Was hat Sie während dieser Reise besonders beeindruckt? 

Die Hingabe, Beharrlichkeit und Entschlossenheit der frühen Missionare haben mich tief bewegt. Sie kamen an die Goldküste, obwohl sie die Risiken kannten. Viele starben kurz nach ihrer Ankunft, und dennoch hielten sie an ihrem Auftrag fest. 

Ein besonders inspirierendes Beispiel ist Andreas Riis. Er überzeugte seine Missionsleitung, die Arbeit trotz jahrelanger Rückschläge nicht aufzugeben. Sein Glaube und seine Beharrlichkeit legten einen wichtigen Grundstein für das, was heute eine Kirche mit fast zwei Millionen Mitgliedern geworden ist. 

Wir besuchten auch Orte, die mit prägenden Persönlichkeiten wie Andreas Riis und Augustus Hanson verbunden sind. Zu sehen, wo sie gelebt und gearbeitet haben und ordiniert wurden, machte unsere Geschichte anschaulich und vertiefte unsere Achtung für ihre Opferbereitschaft.  

Wie sehen Sie die Beziehung zwischen den Kirchen in Ghana und Europa in der heutigen Zeit? 

Unsere Beziehung hat sich verändert. Früher war Ghana überwiegend Empfänger missionarischer Unterstützung. Heute ist die Kirche in Ghana erheblich gewachsen. Wir bilden Leitungspersonen aus, mobilisieren finanzielle Mittel, unterstützen Projekte und entsenden selbst Missionar*innen. 

Deshalb sollte unsere Beziehung nicht auf einem einseitigen Geben beruhen, sondern auf gegenseitigem Teilen. Wie ein erwachsen gewordenes Kind, das zur Familie zurückkehrt und selbst etwas beitragen möchte, fragen wir heute: Wie können wir unsere Partnerkirchen unterstützen? 

Wir können unseren Glauben, unsere Kultur, unsere Erfahrungen, unsere Ressourcen und unsere jungen Menschen einbringen. Zugleich begleiten uns unsere europäischen Partner weiterhin. Dieser gegenseitige Austausch stärkt uns alle.  

Welche Grenzen müssen Christ*innen in der Mission heute überwinden? 

Die stärksten Grenzen sind heute nicht geografischer, sondern kultureller Natur. Wir müssen Vorurteile, Ängste und Missverständnisse gegenüber anderen überwinden. 

Auch wenn unsere Kulturen unterschiedlich sind, sind wir in Christus verbunden. Wenn wir unsere Beziehungen stärken, einander respektieren und voneinander lernen, können wir zum Wohl aller wirksamer zusammenarbeiten.  

Was können Kirchen in Europa und Ghana voneinander lernen? 

Kirchen in Afrika zeichnen sich häufig durch lebendige Gottesdienste, eine hohe Beteiligung der Gemeindemitglieder und sichtbare Begeisterung aus. Von dieser Lebendigkeit können Kirchen in Europa möglicherweise lernen. 

Gleichzeitig müssen sich Kirchen in Afrika fragen, welchen Einfluss sie auf die Gesellschaft ausüben. Wir haben viele Christ*innen, aber wir müssen prüfen, ob unser Glaube tatsächlich das öffentliche Leben, und die Führungskultur, Integrität und ethisches Handeln in der Gesellschaft prägt. 

Christlicher Glaube sollte nicht nur das Gottesdienstleben bestimmen, sondern auch das tägliche Handeln der Menschen. In diesem Bereich haben wir noch viel zu lernen.  

Wie hat diese Reise Ihre Vision für die Zukunft der PCG geprägt? 

Unser Jahresthema „Celebrating Our Heritage, Building on the Foundation Already Laid“ bleibt hochaktuell. 

Dieser Besuch hat die Bedeutung von Werten wie Integrität, Fleiß, Respekt, Ehrlichkeit und Verbindlichkeit erneut unterstrichen. Diese Werte gehören zu unserem geistlichen Erbe, und wir müssen uns noch stärker dafür einsetzen, sie an kommende Generationen weiterzugeben. 

Nur so wird die Kirche ihre Wirkung auf die Gesellschaft weiter vertiefen können.  

Welche Rolle können Kirchen in einer von Konflikten, Migration und Säkularisierung geprägten Welt spielen? 

Die Kirche muss in Christus verwurzelt bleiben. Die Geschichte zeigt, dass Gott oft gerade in schwierigen Zeiten kraftvoll wirkt. 

Wenn Herausforderungen zunehmen, sind Christ*innen dazu berufen, sich nicht zurückzuziehen, sondern ihren Glauben zu vertiefen, zu beten, christliche Werte zu leben und auf Gott zu vertrauen. Schwierige Umstände können zu Chancen für Erneuerung, Wachstum im Glauben und Veränderung werden. 

Gott wirkt häufig durch Menschen, die auch in Zeiten der Unsicherheit treu und mutig bleiben. Die frühen Missionare haben genau diesen Glauben vorgelebt, und ihr Beispiel inspiriert uns bis heute.  

Welche Botschaft der Hoffnung möchten Sie der EMS-Gemeinschaft mitgeben? 

Wir dürfen niemals unseren Sinn der Zusammengehörigkeit verlieren. Unsere Stärke liegt in unserer Einheit in Christus. 

Es gibt weit mehr, was uns verbindet, als was uns trennt. Wenn wir zusammenstehen, voneinander lernen und einander unterstützen, können wir in unseren Gemeinschaften und darüber hinaus viel bewirken. 

Gemeinsam können wir weit mehr erreichen, als jede und jeder von uns allein jemals könnte.