Mittwoch, 20. Dezember 2023
Ein gesegnetes Weihnachtsfest
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“
Die diesjährige Weihnachtskarte der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) wurde von Frau Dr. Satya Sudhir aus der Kirche von Südindien (CSI) gestaltet. Sie verbindet das Motiv des Adventskranzes mit dem traditionellen indischen Kolam-Muster. Die Weihnachtskarte können Sie im EMS-Shop bestellen.
In Indien ist ein Kolam, ein auf den Boden vor dem Haus ausgelegtes Muster, ein Willkommensgruß. In Europa ist der Adventskranz das Symbol für die Vorfreude auf Weihnachten. Ineinander verflochten werden beide zu einem Zeichen der Hoffnung: Gott ist Mensch geworden, um Frieden in die Welt zu bringen.
Wir sind dankbar für die Begegnungen und die Unterstützung unserer Arbeit im vergangenen Jahr. Wir wünschen Ihnen gesegnete Weihnachten und ein friedvolles neues Jahr.
Dr. Dieter Heidtmann
EMS Generalsekretär
J O Y – Gedanken zur Weihnachtskarte der indischen Künstlerin Dr. Satya Sudhir
Wir sind vertraut mit der Weihnachtsgeschichte, wie sie der Evangelist Lukas erzählt: Jesus wird in einem Stall geboren und in eine Krippe gelegt. Die ersten Zeugen des heilsbringenden Ereignisses sind die Hirten. Ein Engel erscheint ihnen in der Nähe des Stalles in Bethlehem, wo sie ihre Schafe hüten. Ihre Angst weicht, während der Engel spricht, und Freude kehrt ein:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lk 2,14), so stimmt der Engel, den die Hirten sehen, in den Chor der himmlischen Heerscharen ein. Ja, Gott gebührt Ehre, und ja, Frieden soll werden! Nichts wünschen wir uns sehnlicher angesichts der gegenwärtigen weltpolitischen Lage. Wer aber sind die Menschen seines Wohlgefallens? Gilt die Friedens- und Heilsbotschaft der Weihnachtsgeschichte nur einem bestimmten Kreis? Andersherum gefragt: Gibt es Menschen, die ausgeschlossen sind? Wohl kaum. Die Botschaft der Geburt Jesu ist an alle gerichtet. Gottes Liebe ist bedingungslos. Gottes Liebe ist grenzenlos.
Von der Freude handelt unsere Weihnachtskarte. Die Buchstaben des englischen Wortes für Freude, „J O Y“, stehen für Jesus – Others – You. So interpretiert die indische Künstlerin ihr Werk. Sie überwindet Grenzen. Ihr Weihnachtsgruß verbindet die westliche Kultur des Adventskranzes, hier in typischem weihnachtlichem Grün und Rot der Stechpalme, mit einem südindischen Kolam.
Ein Kolam ist ein auf den Boden vor einem Wohnhaus ausgelegtes Muster. Punkte, Linien, Kurven, Schlaufen ergeben am Ende ein symmetrisches Muster. Es ist ein Willkommensgruß, ein recht umfassender Willkommensgruß, denn das traditionellerweise benutzte Reismehl wird im Laufe des Tages von Ameisen, Vögeln und kleinen Kriechtieren weggefuttert. Das Kolam soll böse Geister vertreiben und gute Geister ins Haus locken. Es bringt zum Ausdruck, dass harmonisches Zusammenleben, durchaus auch von Mensch und Tier, hier ausdrücklich erwünscht ist. Im Laufe des Tages wird ein Kolam verwischt, verweht, verregnet, aber an jedem Morgen wird nach der Reinigung des Eingangsbereiches ein neues Kolam gelegt; und zu Feiertagen gibt es natürlich besonders großartige.
Wie schön sich indische und westliche Tradition zum künstlerischen Ausdruck der weihnachtlichen Freude ergänzen: Die Einladung des südindischen Kolams, einzutreten, verschmilzt mit der Adventskranztradition des Westens. Die Lichter des Adventskranzes helfen uns, mit allen Sinnen zu verstehen, dass mit jeder Woche das Licht heller wird, bis wir schließlich mit der Geburt Jesu „das Licht der Welt“ sehen und die Freude über Gottes Liebe für uns Menschen erfahren. Die Form von Kolam und Kranz unterstreichen die Idee, dass der ganze Erdenkreis zu diesem Licht eingeladen ist – ein ewiges, uns immer wieder gemachtes Angebot.
Das Wort J O Y, Freude, hat das runde „O“, den Kolam-Kreis wie den Kranz, in der Mitte. Es steht für „Others“, die Anderen, und ist eingerahmt vom „J“ für Jesus und vom „Y“ für „You“; damit sind Sie und ich gemeint, jede und jeder Einzelne und wir alle zusammen. Das macht die Karte zu einer starken Botschaft gegen alles Ausgrenzende, Exklusive. „Die Anderen“ sind in der Mitte. Aller Fremdmachung, im Englischen „Othering“ genannt, wird eine starke Absage erteilt. Mitten unter uns gehören sie willkommen und gern aufgenommen. Die Figuren der alljährlich aufgestellten Weihnachtskrippe mit Maria, Josef und dem Jesuskind, mit Hirten und Weisen, mit Ochs und Esel erinnern daran. Gemeinsam, einladend, die Freude und das Licht des Weihnachtsfestes verbreitend – genau so sind wir die, von denen die himmlischen Heerscharen singen: Menschen seines Wohlgefallens. Gemeinsam können wir Gottes Liebe erkennen, gemeinsam sollten wir uns dem Frieden auf Erden widmen.
Dr. Kerstin Neumann
Abteilungsleiterin Programme und Netzwerke