Dienstag, 25. Juni 2024
Kirchen weltweit für mehr Demokratie
Die Kirchen engagieren sich weltweit für eine starke Demokratie. Die sozialen Medien sind dabei nicht zu unterschätzen.
Der Internationale Missionsrat der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) vertritt 30 Kirchen und Missionsgesellschaften mit über 25 Millionen Mitgliedern weltweit. Gemeinsam engagieren sich die Kirchen für eine starke Demokratie. Vom 19. bis 23. Juni 2024 tagte der Missionsrat in Herrnhut (Sachsen), dem Sitz der Evangelischen Festlands-Unität. Die Delegierten des Missionsrats sind aus Deutschland, Südafrika, Ghana, Indonesien, Südkorea und aus dem Libanon angereist. Sie alle besorgt die gegenwärtige Krise der Demokratie, die sich weltweit in stark gespaltenen Gesellschaften niederschlägt. Die Wahlergebnisse in Europa, Südkorea oder Indien unterfüttern diese Sorge. Ebenso die noch ausstehenden Wahlen in den USA. Die Delegierten sind aber auch vereint in der Überzeugung, dass die Kirchen gerade in herausfordernden Zeiten Mitgestalterinnen der Gesellschaft sein müssen – und dass die Hoffnung, die die Kirchen trägt, auch eine Hoffnung der Demokratie sein kann.
Kirchen arbeiten demokratiefördernd
„In Ghana veranstaltet die Presbyterianische Kirche in Vorbereitung auf die Präsidentschaftswahlen im Dezember landesweite Workshops, in denen Jugendliche lernen, sich friedlich über politische Themen auszutauschen“, berichtet Andrew Jackson Odjawo, Pfarrer und Referent für Internationales und Diakonie der Presbyterianischen Kirche in Ghana (PCG).
Die badische Landeskirche in Deutschland hat gerade ein ganzes „Demokratie-Jahr“ hinter sich. „Die Jugendsynode der badischen Landeskirche wird unter dem Eindruck der Europawahlen fordern, diese Arbeit fortzusetzen,“ teilt Kerstin Sommer ihre Erfahrung. Sie ist Landesjugendreferentin in Baden und hält innerhalb der EMS die Verbindung zu den Schneller-Schulen im Libanon und in Jordanien. In den Schneller-Schulen lernen die Kinder, sich an Entscheidungen zu beteiligen und Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. So wurden die Schüler*innen in die Planungen zur Renovierung des Schülerheims einbezogen. Was wie eine Kleinigkeit klingt, ist für die Schüler und Schülerinnen eine erste Erfahrung demokratischer Mitgestaltung.
Aber nicht nur das Handeln ist entscheidend. Zuhören, einander verstehen, miteinander reden sind demokratische Fertigkeiten. Pfarrer Dr. Demianus Ice, der diesen Punkt stark macht, weiß, wovon er spricht. Er ist Delegierter der Halmahera-Kirche in Indonesien. Indonesien ist mit seinen 280 Millionen Einwohnern so groß und divers, dass es ohne gegenseitiges Verständnis nicht geht.
Demokratie, Kirche und soziale Medien
Kommunikation kann Demokratie fördern. Sie kann aber, wie sich bei der Europawahl gezeigt hat, auch gegenteilig eingesetzt werden: In Deutschland haben auffallend viele junge Menschen demokratiefeindliche Parteien gewählt. Das liegt mit daran, dass diese Parteien auf den sozialen Medien stark vertreten waren.
Die Kirchen wollen weltweit die Demokratie fördern. Sie engagieren sich in konkreten Projekten. Sie üben das zuhörende Verständnis. Und sie müssen sich stärker und professioneller in den sozialen Medien engagieren. Denn die Hoffnung der Kirchen wird nur dann zur Hoffnung für die Demokratie, wenn sie gehört wird.
Dr. h.c. Detlev Knoche, Vorsitzender des Internationalen Missionsrat der EMS, sagt über diese Hoffnung: „Es scheint eine Sehnsucht nach einfachen Antworten zu geben: Sei stark auf Kosten anderer – meine Nation/mein Volk zuerst – widerstehe den Fremden – schließe deine Grenzen! Als internationale christliche Gemeinschaft aber glauben wir an die gleichen Rechte für alle Menschen, an Frieden und Gerechtigkeit. Dafür treten wir gemeinsam ein.“
Pressekontakt: Dr. Dieter Heidtmann, heidtmann@ems-online.org, Tel. +49 711 636 21, Mobil +49 178 6367836