Donnerstag, 18. Juni 2026
Missionsrat: Einblicke aus dem Nahen Osten
Der Missionsrat der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) tagt vom 17. bis 19. Juni online und bringt 21 Delegierte aus ihren Mitgliedskirchen und -organisationen zusammen. Ein wichtiger Teil der Beratungen sind Räume, in denen Anliegen und Lebenslagen der Gemeinschaft geteilt werden.
Am 17. Juni berichteten Pfarrer Dr. Habib Badr (Senior Pastor) und Pfarrerin Dr. Rima Nasrallah (designated Senior Pastor) von der Nationalen Evangelischen Kirche in Beirut (NECB) zusammen mit Pfarrer Dr. Khaled Freij von der Bischöflichen Kirche in Jerusalem und dem Mittleren Osten (ECJME) und Direktor der Theodor-Schneller-Schule von ihren Beobachtungen und Erfahrungen im anhaltenden Konflikt im Nahen Osten.
Botschafterinnen und Botschafter der Hoffnung
Habib Badr dankte der EMS-Gemeinschaft für ihre Unterstützung und Gebete (Aufruf: Wir bitten um Gebet und Unterstützung für den Nahen Osten). Teil eines Netzwerks der Solidarität zu sein, sei eine Quelle der Kraft und Ermutigung. Die NECB unterstützt Menschen, die aus dem Südlibanon vertrieben wurden, sowie Maßnahmen zur Unterbringung von Menschen an der Near East School of Theology (NEST). „Wir sind ein Volk der Hoffnung“, so Badr, das seinen Glauben unter schwierigen Umständen bezeuge.
Rima Nasrallah unterstrich ebenfalls die Aufgabe der Kirche, „Hoffnung angesichts des Bösen zu teilen“. Angesichts steigender Suizidraten und wachsender Verzweiflung sei es entscheidend, den „Rhythmus des Lebens“ aufrechtzuerhalten. Rund um Ostern hätten Menschen Gottesdienste besucht, „als wäre nichts geschehen, während in kurzer Entfernung Bomben fielen.“
Khaled Freij würdigte die Führung Jordaniens dafür, „die Krise nicht zu eskalieren und Verhandlungen zur Beendigung des Krieges zu unterstützen“. Trotz alarmierender Nachrichten wurde der Unterricht an der Theodor-Schneller-Schule nahe Amman fortgesetzt. Dennoch mussten Lehrkräfte und Mitarbeitende die verängstigten Schülerinnen und Schüler beruhigen.
Die Präsidentin der EMS, Pfarrerin Anne Heitmann, betonte die Verbundenheit zwischen der internationalen EMS-Gemeinschaft und den Christinnen und Christen im Nahen Osten. Sie dankte den EMS-Mitgliedern in der Region für ihre Standhaftigkeit in dieser Krise. EMS wird weiterhin die „Projekte der Hoffnung“ unterstützen, die von der NECB und der ECJME getragen werden.
Gebet für den Nahen Osten
Gott des Friedens,
wir bringen vor dich die Menschen im Libanon und im gesamten Nahen Osten:
die Frauen, Männer, Familien,
die Kinder, die den nächsten Angriff fürchten.
Die Mütter und Väter, die ihre Kinder schützen wollen
und doch selbst kaum Schutz finden.
All jene, die in Schutzräumen ausharren,
in Kellern, in überfüllten Räumen,
Mitten in der Nacht, im Griff der Angst.
Sei ihnen nahe.
Halte sie in deiner Hand.
Wir beten für alle, die fliehen müssen,
die ihre Häuser verlassen müssen,
die nicht wissen, wohin sie gehen sollen.
Für alle, die zurückbleiben,
weil sie nicht gehen können.
Für alle, die um ihre Angehörigen bangen
oder die Toten betrauern.
Gott, erbarme dich.
Wir beten für diejenigen, die helfen.
Für alle, die nach Verschütteten suchen,
Verletzte bergen, Wunden versorgen.
Für Ärztinnen und Ärzte, Pflegende,
Rettungskräfte, Hilfsorganisationen, Nachbarn und Fremde,
die ihre Türen öffnen, Schutz bieten, Brot teilen, Wasser geben,
trösten, zuhören und durchhalten.
Stärke ihre Hände.
Bewahre sie in Zeiten der Gefahr.
Gib ihnen Kraft für das, was sie tun.
Wir beten für die Verantwortlichen.
Für alle, die Befehle geben, Entscheidungen treffen, ihre Worte wählen,
die die Macht haben, Leben zu schützen oder zu zerstören.
Berühre ihre Herzen.
Lass sie dem Krieg widerstehen und den Frieden suchen:
Nicht Vergeltung, sondern Wege der Versöhnung,
Nicht Macht um jeden Preis, sondern Verantwortung
vor den Menschen, die ihnen anvertraut sind.
Wir bitten dich um die Überwindung des Hasses.
Wo Feindschaft von Generation zu Generation weitergetragen wird,
durchbrich den Kreislauf der Gewalt.
Wo Menschen einander nur noch als Feinde sehen,
öffne ihre Augen für das Leid der anderen.
Wo Rufe nach Vergeltung laut werden, lass Besonnenheit wachsen.
Wo Angst herrscht, schenke den Mut zur Menschlichkeit.
Wo alles verhärtet ist, lass einen Neuanfang entstehen, der Frieden möglich macht.
Gott, sende deinen Geist,
den Geist Jesu Christi,
den Geist, der tröstet und heilt,
der Menschen zusammenführt,
der Frieden bringt, wo Menschen keinen Ausweg sehen.
Mache uns und alle anderen zu Werkzeugen deines Friedens—
heute, morgen, überall,
wo Menschen sich nach Frieden sehnen.
Amen.