Dienstag, 19. November 2024

Nächstenliebe als soziale und politische Transformation

Dr. Stephen Lakkis spricht auf der EMS-Vollversammlung über die Öffentlichkeit des Glaubens

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Die internationalen Delegierten der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) kamen vom 13. bis 16. November zu ihrer Vollversammlung im badischen Freiburg zusammen. Neben wichtigen Entscheidungen ging es dabei auch um das Thema „Öffentlichkeit des christlichen Glaubens“. Man war sich einig, dass die Welt das Christentum als öffentliche Gestaltungskraft braucht. Besonders, weil Individualismus und Rückzug ins Eigene zunehmen.

Die Idee einer „Öffentlichen Theologie“ als separate Strömung oder Zweig der Theologie lehnt der Pforzheimer Pfarrer und Professor für öffentliche Theologie Stephen Lakkis ab. Alle gesunde christliche Theologie und der christliche Glaube seien per se öffentlich: „In der christlichen Tradition lebt die Hoffnung auf Verwandlung, auf eine persönliche, aber genauso auf eine gesellschaftliche. Indem wir unsere Stimme für die Gerechtigkeit erheben und unsere Energie für diesen Wandel einsetzen, sind wir Christ*innen Hebammen für das Reich Gottes, das jetzt in unsere Welt einbricht.“ Der Theologe ist als Hauptredner zu der Vollversammlung nach Freiburg eingeladen worden. 

Stephen Lakkis betont die Liebe im Sinne der „Agape“ als Methode, das christliche Ziel der persönlichen, sozialen und globalen Transformation zu erreichen. „Jesus hat uns nicht aufgetragen, ihn zu lieben, sondern seine Liebe an die Menschen um uns herum weiterzugeben“, führt er aus. „Wir lieben Gott, indem wir uns an der sozialen und politischen Aktion der Nächstenliebe beteiligen. Das bedeutet, dass der christliche Glaube von Natur aus sozial und öffentlich ist.“

Das weltweite Engagement der EMS-Gemeinschaft bezeichnet dabei genau die Art des öffentlich gelebten Glaubens, die Lakkis in seinem Vortrag betont. In Südkorea engagiert sich die protestantische Kirche (PROK) mit einem breiten Hilfsangebot für Migrant*innen der ersten und zweiten Generation. Migration ist in Südkorea ein junges Phänomen. Die Herrnhuter Brüdergemeine in Südafrika ist bestrebt, die historischen Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit dem Landbesitz zu beseitigen. Sie unterstützen diejenigen, die nach erfahrener Enteignung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Landansprüche geltend machen. Dies sind nur zwei Beispiele von EMS-Mitgliedskirchen aus dem weitgefächerten Portfolio der EMS-Initiativen. „Die Christ*innen sind berufen, in der heutigen Welt ein Zeichen für das zu sein, was Gott für die ganze Menschheit beabsichtigt. Und wir dürfen dabei nicht versagen“, betont Pfarrer Andrew Odjawo. Der presbyterianische Kirchenreferent aus Ghana wurde auf der Vollversammlung ins leitende EMS-Präsidium gewählt. 

Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) ist eine internationale Gemeinschaft evangelischer Kirchen und Missionsgesellschaften und vertritt das Anliegen von etwa 25 Millionen Gläubigen in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Europa. Alle Mitglieder der EMS arbeiten gleichberechtigt auf Augenhöhe zusammen.

Pressekontakt: Dr. Dieter Heidtmann, heidtmann@dont-want-spam.ems-online.org, Tel.: +49 711 636 21, Mobil: +49 178 636 78 36