Donnerstag, 29. Oktober 2026

Von Worten zu Taten

Kirchen verstärken Einsatz gegen genderspezifische Gewalt

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Kirchenleitende, Frauenrechtsaktivistinnen, Theolog*innen und junge Menschen aus der internationalen Gemeinschaft der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) kamen vom 23. bis 25. Oktober in Kapstadt zusammen, um wirksamere Strategien gegen genderspezifische Gewalt und Femizide (GBVF) zu entwickeln. Gastgeberin der Konferenz war die Evangelische Brüder-Unität in Südafrika (MCSA). 

Unter dem Thema „From Reflection to Action: Strengthening MCSA’s Response to Gender-Based Violence and Femicide“ berieten Vertreterinnen des Internationalen Frauennetzwerks der EMS, der Lutherischen Gemeinschaft im südlichen Afrika (LUCSA) und des Südafrikanischen Kirchenrates (SACC), wie Kirchen entschiedener gegen Gewalt an Frauen und Mädchen vorgehen können. 

Zum Auftakt unterzeichneten die Teilnehmenden eine gemeinsame Selbstverpflichtungserklärung und entzündeten eine Kerze als Zeichen ihres Engagements. Ein zentrales Anliegen der Konferenz war die Frage, wie aus klaren Absichtserklärungen nachhaltiges Handeln werden kann.

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Gewalt ist ein Angriff auf die Menschenwürde 

In seinem Impulsvortrag machte Pfarrer Georg Meyer, Leiter der EMS-Abteilung Regionen und Missionsvereine, deutlich, dass genderspezifische Gewalt nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein theologisches Problem sei. 

„Gewalt gegen einen anderen Menschen ist nicht einfach ein gesellschaftliches Problem. Sie ist ein Angriff auf die Menschenwürde, weil sie Menschen ihrer göttlichen Identität beraubt.“ 

Ausgehend von der biblischen Aussage, dass alle Menschen als Ebenbilder Gottes geschaffen sind, betonte Meyer, dass jede Form von Gewalt diese von Gott gegebene Würde verletzt. Mit Verweis auf den südafrikanischen Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu erinnerte er daran, dass Systeme, die Menschen an ihrem eigenen Wert zweifeln lassen, letztlich Gotteslästerung seien. 

„Solange genderspezifische Gewalt und Femizide in Südafrika und weltweit fortbestehen, setzen wir diese Gotteslästerung fort.“ 

Kultur und Traditionen kritisch prüfen 

Die Teilnehmenden diskutierten auch den Einfluss kultureller Traditionen auf bestehende Gewaltstrukturen. Pfarrerin Eleanor McCormick, Leiterin der EMS-Abteilung Programme und Netzwerke, ermutigte die Kirchen, Traditionen kritisch zu hinterfragen: 

„Wenn Kultur heiliger wird als das Leben, haben wir ein Problem. Die MCSA entscheidet sich für das Leben aller Menschen und ist bereit, Kultur innerhalb und außerhalb der Kirche kritisch zu hinterfragen.“ 

Die ehemaligen EMS-Freiwilligen Zingce Dyonase und Faith Daniels unterstrichen die Bedeutung junger Menschen für diesen Veränderungsprozess. Sie forderten mehr Mitbestimmung für die junge Generation. Als konkretes Ergebnis der Beratungen sagte die MCSA zu, Jugendvertretende in ihren Anti-GBVF-Lenkungsausschuss aufzunehmen. 

Worte und Taten gehören zusammen 

Immer wieder wurde betont, dass Reflexion und Praxis keine Gegensätze seien. Nachhaltige Veränderungen entstünden vielmehr aus dem Zusammenspiel von theologischer Auseinandersetzung, praktischem Engagement und kontinuierlichem Lernen. 

„Unser Handeln gegen genderspezifische Gewalt beginnt mit Besinnung und Gebet, findet Ausdruck im Handeln und muss immer wieder zur Reflexion zurückkehren, während wir lernen und uns verändern“, sagte Bischof Jerome Slamat. 

Auch SACC-Generalsekretär Mzwandile Wilson Molo bekräftigte die unveräußerliche Würde jedes Menschen. Äußere Merkmale dürften niemals bestimmen, wie menschlich jemand behandelt werde. 

Gemeinsam Verantwortung übernehmen 

Mehrere Redner*innen zogen Parallelen zwischen dem heutigen Einsatz gegen genderspezifische Gewalt und dem Kampf gegen die Apartheid. Damals wie heute brauche es starke Bündnisse und internationale Solidarität, um gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. 

Die Worte der südafrikanischen Dichterin June Jordan, „Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben“, wurden dabei zum Leitmotiv der Konferenz und zum Aufruf, Verantwortung nicht auf andere abzuwälzen. 

Der Maßstab ist die Veränderung 

Zum Abschluss erinnerte MCSA-Präsident Lizwi Mtumtum daran, dass sich der Erfolg der Konferenz nicht an ihren Diskussionen messen lasse, sondern an den konkreten Veränderungen, die daraus erwachsen: 

„Der Maßstab für den Erfolg unserer Zusammenkunft wird nicht die Qualität unserer Diskussionen sein. Der wahre Prüfstein wird sein, ob unser Handeln das Leben von Menschen spürbar verbessert.“ 

Boneta Neethling, EMS-Regionalreferentin, stellte den Teilnehmenden zum Abschluss entscheidende Fragen:  

- Werden wir verbindliche Strukturen der Verantwortung schaffen? 
- Werden wir das Schweigen beenden, das Täter*innen schützt?  
- Werden wir unseren Beschlüssen mit den erforderlichen Mitteln untermauern?  
- Werden wir aus dem, was wir inzwischen wissen, die Konsequenz ziehen und als Kirche anders leben? 

Die Konferenz endete mit einem Gottesdienst in der historischen Moravian Hill Chapel im Kapstädter Stadtteil District Six. In seiner Predigt rief Pfarrer Ntsikelelo Tyokolwana die Kirchen dazu auf, sichere Räume für Menschen zu schaffen und aktiv zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen: 

„Wir können keine lebendige Kirche aufbauen, solange Kinder in Angst leben und Frauen sich außerhalb ihres Hauses sicherer fühlen als innerhalb.“ 

Die Teilnehmenden kehrten mit der gemeinsamen Verpflichtung zurück, dem Kampf gegen genderspezifische Gewalt und Femizide in ihren Kirchen und Gesellschaften neue Priorität einzuräumen. Denn die Botschaft der Konferenz war eindeutig: Auf Worte müssen Taten folgen.